Unser Kreisverband Die Linke hat sich ausführlich mit dem Thema befasst und zwar speziell für die Städte Mölln und Ratzeburg. Dazu zwei Statemants von unseren Genossen vor Ort:
Stellungnahme des Ratsherrns Frank Hoffmann – Fraktionsvorsitzender der Möllner Linke – zu den Herausforderungen des Möllner Einzelhandels
Zwischen Baustaub und Aufbruchstimmung – Möllns Weg in die Zukunft
„Wer heute durch unsere Hauptstraße geht, braucht starke Nerven – das gilt für die Bürgerinnen und Bürger, ganz besonders aber für unsere Einzelhändler. Doch zur Wahrheit gehört auch: Diese Generalsanierung ist kein Projekt der Willkür, sondern das bittere Erbe einer über Jahrzehnte vernachlässigten Infrastruktur. Wir baden heute aus, was über Generationen versäumt wurde. Dass unser aktueller Bürgermeister und die Verwaltung diese Herkulesaufgabe nun anpacken, ist alternativlos, um Mölln langfristig am Leben zu erhalten.
Die Belastungen für den stationären Einzelhandel sind enorm, und wir als Möllner Linke wissen um die Existenzängste hinter den Schaufenstern. Aber wir sehen auch, dass sich Mut zur Veränderung auszahlt.
Ein hervorragendes Beispiel ist der neue Schiffsanleger: Er zeigt eindrucksvoll, wie moderne Stadtentwicklung die Aufenthaltsqualität steigert. Das Projekt wird von den Menschen begeistert angenommen und ist ein Gewinn für unsere Lebensqualität. Es ist ein Vorgeschmack darauf, wie attraktiv unsere Mitte sein kann, wenn die Bagger erst einmal abgezogen sind.
Dennoch dürfen wir die Händler auf der Zielgeraden nicht allein lassen: Da die Baustelle eine notwendige Folge historischer Versäumnisse ist, steht die gesamte Stadtgesellschaft in der Pflicht. Wir rufen alle Möllner dazu auf: Unterstützt unsere Läden gerade jetzt!
Wir fordern weiterhin gezielte Unterstützung für kleine Betriebe, damit die soziale Vielfalt in der Hauptstraße nicht durch die lange Bauzeit verdrängt wird.
Wir müssen die positiven Erfahrungen vom neuen Schiffsanleger auf die Zeit nach der Sanierung übertragen – mit mehr Raum für Begegnung, Kultur und barrierefreies Einkaufen.
Die Sanierung ist ein Kraftakt. Wenn wir aber den Geist des neuen Schiffsanlegers – Qualität, Verweilen und Gemeinschaft – in die neue Hauptstraße tragen, wird Mölln gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass kein Laden auf diesem Weg verloren geht!“
Stellungnahme von Roland von Reeken – Sprecher Ortsgruppe Ratzeburg Die Linke – zu den Herausforderungen des Ratzeburger Einzelhandels
Die Linke fordert Kurswechsel gegen Leerstand und Mietwucher.
Die malerische Kulisse der Ratzeburger Inselstadt täuscht zunehmend über eine krisenhafte Entwicklung im lokalen Handel und der Gastronomie hinweg. Während Touristen die „Schaufenster-Idylle“ genießen, kämpfen inhabergeführte Geschäfte mit explodierenden Kosten und strukturellem Leerstand.
Die Situation ist ernst: Der Einzelhandel steht massiv unter Druck. Neben der Abwanderung der Kaufkraft in die umliegenden Metropolen und den Online-Handel belasten vor allem die hohen Gewerbemieten die Betriebe. Mit bis zu 22 Euro pro Quadratmeter für das Jahr 2026 sind die Mietpreise auf einem Niveau angekommen, das für kleine Läden und Start-ups kaum noch tragbar ist.
Besonders kritisch sehen wir die „toten Punkte“ im Flanierfluss der Stadt, wie die ehemalige Hauptverwaltung der Kreissparkasse (KSK), den Marktplatz, die Brandruine in der Herrenstraße und das geschlossene Postamt.
Wir dürfen die Innenstadt nicht allein den Kräften des freien Marktes überlassen, der offenbar nur noch auf hohe Renditen setzt. Wenn private Investoren keine Lösungen bieten, muss die öffentliche Hand Verantwortung übernehmen. Wir fordern, dass die Stadt oder der Kreis das KSK-Areal nach der Zwischennutzung durch die Kreisverwaltung zurückerwerben. Die Rückabwicklung des Verkaufs ist hier die Chance, ein echtes soziales und kulturelles Zentrum für alle Ratzeburger zu schaffen.
Die Ratzeburger Linke plädiert dafür, das Thema Leerstand als Teil der Daseinsvorsorge zu begreifen. Anstatt auf den nächsten großen Investor zu warten, sollten leerstehende Ladenlokale gezielt für gemeinwohlorientierte Projekte genutzt werden.
Unsere Vision ist eine Innenstadt, die jenseits des reinen Konsumzwangs attraktiv bleibt. Leerstehende Räume sollten zu moderaten Mieten an Kunsthandwerker, Kleingewerbe oder Bürgerinitiativen vergeben werden. Das würde nicht nur die Vielfalt auf der Insel erhöhen, sondern auch die lokale Gastronomie stützen, die unter der Saisonabhängigkeit und den gestiegenen Energiepreisen leidet.
Für Die Linke ist die Gastronomie mehr als nur ein Wirtschaftsfaktor – sie ist soziale Infrastruktur. Wenn der Restaurantbesuch für Einheimische aufgrund der Kostenexplosion zum unerschwinglichen Luxus wird, verliert die Stadt ihren Charakter als Begegnungsort.
Das Ziel der Partei ist klar: Ratzeburg darf keine leblose Museumskulisse werden. Durch ein aktives Leerstandsmanagement und die Kommunalisierung strategischer Immobilien kann die Inselstadt wieder zu einem Ort werden, an dem Gemeinwohl und Lebensqualität für alle Bürgerinnen und Bürger an erster Stelle stehen.