„Wem gehört die Energie?“ – Über 50 Gäste diskutierten im Möllner Quellenhof über Windkraft und Naturschutz

MÖLLN – Auf Einladung des Linken-Kreisverbandes Herzogtum Lauenburg diskutierten rund 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger – darunter auch Möllns Bürgermeister Ingo Schäper – im Hotel Quellenhof über das hochaktuelle Thema „Windkraft im Naturpark Lauenburgische Seen“. Unter der Moderation von Dirk Klinnert beleuchteten Uta von Bassi (BUND) und der Bundestagsabgeordnete Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) die komplexen Facetten zwischen notwendiger Energiewende und regionalem Artenschutz.

In seiner Einführung machte Moderator Dirk Klinnert deutlich, dass für den Kreisverband Klimaschutz und Naturschutz gleichberechtigte Güter sind, die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen.

Klimawandel und Artensterben bedingen sich

Unser Genosse Lorenz Gösta Beutin, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Umwelt und Klimaschutz, betonte in seinem Impulsvortrag die historische Verantwortung für den menschengemachten Klimawandel. Er mahnte, dass trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien global ein gefährlicher Kurs Richtung einer 3-Grad-Erderwärmung drohe. „Klimawandel und Artensterben bedingen einander“, so Beutin. Wir erlebten derzeit das sechste große Artensterben der Erdgeschichte – erstmals von Menschenhand verursacht.

Beutin warb eindringlich für eine grundlegende Systemfrage in der Energiepolitik: „Die entscheidende Frage lautet: Wem gehört die Energie? Energie gehört nicht in privaten Konzernbesitz, sondern in öffentliche Hand.“ Er rief die Kommunen dazu auf, eigene Flächen zu nutzen, um über genossenschaftliche Modelle direkt vor Ort von der Wertschöpfung zu profitieren. Gleichzeitig betonte er mit Blick auf den Naturschutz, dass beispielsweise Moore strikt vor einer Bebauung geschützt bleiben müssten.

BUND: Keine „Goldgräberstimmung“ im Naturpark

Uta von Bassi stellte für den BUND klar, dass der Verband Windkraft nicht generell ablehne, sich aber dezidiert gegen Anlagen innerhalb des Naturparks Lauenburgische Seen ausspreche. Der Naturpark sei ein unverzichtbarer Rückzugs- und Wanderraum für bedrohte Tierarten wie die Wildkatze.

Von Bassi kritisierte eine zunehmende Aufweichung der Planungskriterien und warnte vor einer ökologisch fatalen „Goldgräberstimmung“. Private Betreiber lockten Landwirte teils mit enormen Gewinnversprechungen von bis zu 200.000 Euro pro Jahr. Schleswig-Holstein produziere bereits deutlich mehr Windstrom, als es selbst verbrauche, und beliefere den Süden Deutschlands. „Jetzt sind auch mal andere Bundesländer an der Reihe, ihre Flächen zu nutzen“, forderte von Bassi. Zudem verwies sie darauf, dass der BUND allein im Kreis Herzogtum Lauenburg 11 alternative Flächen außerhalb des Naturparks identifiziert habe, die für Windkraft geeignet wären. Die sogenannte Gemeindeöffnungsklausel lehne der BUND ab.

Engagierte Debatte um Netze, Speicher und Konsum

In der anschließenden, sehr lebhaften Diskussion mit dem Publikum wurden die drängenden Probleme der Energiewende greifbar. Bürgerinnen und Bürger thematisierten den mangelnden Netzausbau und das Problem des sogenannten „Redispatch“ – also Situationen, in denen Windräder im Norden wegen Netzüberlastung gedrosselt werden, die Betreiber aber dennoch entschädigt werden müssen, während im Süden teure Gaskraftwerke einspringen. Auch die Rohstoffgewinnung für Windanlagen unter teils ausbeuterischen Bedingungen weltweit sowie Fragen des Recyclings wurden kritisch hinterfragt.

Möllns Bürgermeister Ingo Schäper brachte zudem eine Kernfrage der Nachhaltigkeit ein: Neben der Steigerung der Energieeffizienz müsse dringend auch über eine absolute Reduzierung des Energieverbrauchs nachgedacht werden – ein Punkt, der angesichts des enormen Stromhungers zukünftiger Großrechenzentren (etwa für Künstliche Intelligenz) zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Am Ende des Abends stand ein klares Signal: Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie die Menschen mitnimmt, ökologische Tabuzonen respektiert und der Nutzen den Kommunen und Bürgern zugutekommen, statt privaten Investoren. Die gesammelten Impulse und regionalen Bedenken nimmt Lorenz Gösta Beutin mit für die politische Arbeit im Bundestag nach Berlin.