Die Linke lehnt den Beschluss zur rein gewerblich-gastronomischen Ausschreibung der Fläche „Westlich Personenschifffahrt“ in der vorliegenden Form entschieden ab. Die Stadt droht hier, eine Chance für eine echte, gemeinwohlorientierte Aufwertung der Schlosswiese zugunsten einer einseitigen Kommerzialisierung zu verspielen.
Wir kritisieren den Beschluss insbesondere in folgenden vier Punkten:
1. Fehlender Bedarf für weitere Gastronomie
Das Argument, durch eine weitere Verpachtung die „touristische Attraktivität deutlich zu steigern“, ist nicht stichhaltig. Im unmittelbaren Umfeld befinden sich bereits:
- Die Schirmbar
- Der Eispavillon Pelz
- Das Hotelrestaurant Seehof
- Die ansässige Fischerei mit Restaurant
- Die neu gestaltete Seebadeanstalt
Eine weitere gastronomische Einrichtung führt nicht zu einer Qualitätssteigerung, sondern zu einer Sättigung des Marktes, die weder den Touristen noch den ansässigen Betrieben nützt. Wir brauchen keine weitere „Event-Gastronomie“ auf einer der wertvollsten öffentlichen Flächen der Stadt.
2. Ausschluss der Bürgerinnen und Bürger
Die Schlosswiese ist das „Wohnzimmer“ der Ratzeburger und ein zentraler Erholungsort für alle Generationen. Dass ein solch prominentes Areal nun ohne jede Bürgerbeteiligung direkt an einen externen Dienstleister zur Pächtersuche übergeben werden soll, ist demokratiefeindlich.
- Privatisierung des öffentlichen Raums: Anstatt die Bürger zu fragen, was sie sich für diesen Ort wünschen, wird ein spezialisierter Dienstleister beauftragt, um das maximale wirtschaftliche Potenzial (orientiert an der Pacht der Schirmbar) auszuschöpfen.
3. Einseitige Fixierung auf Gewerbe – Keine Prüfung von Alternativen
Der Beschluss ignoriert alternative Nutzungskonzepte, die über Essen und Trinken hinausgehen. Die Linke fordert eine Prüfung von Angeboten, die die Aufenthaltsqualität ohne Konsumzwang erhöhen.
- Beispiel Kletterwand / Sportangebote: Warum wird nicht geprüft, ob Sport- und Freizeitflächen (z. B. eine Kletterwand, Fitnessparcours oder ein inklusiver Spielbereich) die Attraktivität für Familien und Jugendliche steigern könnten?
- Solche Alternativen wurden in der Beschlussvorlage der FRW (Freie Ratzeburger Wählergemeinschaft) nicht einmal ansatzweise evaluiert, obwohl sie einen echten Mehrwert für die lokale Bevölkerung und Touristen bieten würden.
4. Kritik am Verfahren (Externer Dienstleister)
Die Beauftragung eines externen Dienstleisters verursacht zusätzliche Kosten, deren Höhe im Unklaren bleibt. Es ist bezeichnend, dass sich die „finanziellen Auswirkungen“ nur auf Einnahmen fokussieren, während die sozialen Kosten und der Verlust an öffentlicher Gestaltungsfreiheit völlig ausgeklammert werden.
Fazit & Forderung
Die Linke Ortsgruppe Ratzeburg fordert:
- Stopp des Ausschreibungsverfahrens in der vorgeschlagenen Form.
- Erhalt des öffentlichen Charakters der Fläche ohne weiteren Konsumzwang.
- Die Durchführung einer Bürgerbefragung oder eines Ideenwettbewerbs, um zu ermitteln, welche nicht-gastronomischen Angebote (z. B. Freizeit-, Kultur- und Sportmöglichkeiten) tatsächlich gewünscht sind.
- Die Sanierung der WC-Anlagen im SO2 unabhängig von einer gewerblichen Neuverpachtung als Teil der grundlegenden städtischen Daseinsvorsorge.
Die Schlosswiese gehört den Menschen in Ratzeburg – nicht den Meistbietenden!
